immer wenn
immer wenn
meine stirn zu zittrig wird
und die hände fiebrig kalt
immer wenn
das schweigen zu weit wird
und die ferne viel zu laut
immer wenn
die unruhe rasend anklopft
und das herz mich befällt
immer wenn
die zeit zu fordernd wird
und mein verstand stillstehend quält
immer wenn
das feld lautloser rufe flirrt
und sich wortlose signale sendend fangen
immer wenn
träume mir schlaf und atem rauben
und uralte bilder aus andren Welten vor mir ziehn
hauch ich mit
leisem atem
einen gedanken
wie eine zarte feder
durch raum und zeit
auf dass ein warmer luftzug
dich streift
beschützt
und sanft berührt
und die gänse tanzen lässt
fern
auf deiner haut
©Beate Oberlein
Spuren im Sand der Zeit
Was soll bleiben?
Was willst du hinterlassen?
Welche Spuren im Sand der Zeit?
Und die Uhren?
Kannst du sie lächelnd ticken lassen?
Oder hältst du dich fest an ihnen mit Verbissenheit?
Was soll von dir bleiben?
Was willst du hinterlassen?
Welche Spuren im Sand der Zeit?
Nein, die Uhren, die kann niemand fassen
und anhalten wider Schicksal und Vergänglichkeit.
Woran soll man sich erinnern,
wenn man eines fernen Tages an dich denkt?
Hast du den bösen oder weisen Wolf in dir gefüttert?
Wem von Beiden hast du mehr Aufmerksamkeit geschenkt?
Sag, und wem schenktest du von deiner kostbaren Lebens-Zeit?
Warst du da, wenn ein Freund dich brauchte?
Hast Anteil du genommen an andrer Menschen Glück und Leid?
Was war dir heilig, hier in dieser, unserer schnelllebigen Welt?
Besitztum? Materielles? Ego? Macht und Geld?
Welche Werte waren dir wirklich wichtig?
Warst du Ich-bezogen und dogmatisch oder offen, kompromissbereit?
Sag, sind nicht all die kleinen Ego-Spiele nichtig
im Angesicht der Ewigkeit?
Warst du im Hamsterrad gefangen, hast strampelnd vor dich hin gelebt?
Oder hast du ganz bewusst gehandelt?
Vielleicht sogar nach Höherem gestrebt?
Hast deine Träume du verwirklicht oder angepasst nur Rollen nachgespielt?
Glaubtest du an deine wahre Größe?
Oder hast verschämt auf deine Schwächen du geschielt?
Sag, tatest du, was man von dir erwartet?
Hast du Mut besessen? Hat dich Angst gelähmt?
Bist wie ein Blatt im Wind du oder gegen den Strom gestartet?
Hast für dein eigenes Licht du dich geschämt?
Welche Lektionen hast du selbst erfahren,
Welche Anderen gekonnt erteilt?
Hast du die Wunden extra lange bluten lassen?
Oder hast du sie mit Gleichmut und Vergebung bald geheilt?
Konntest du dich und Andere mit deiner Art, mit deinem Tun begeistern,
vielleicht sogar auf deine Weise inspirieren?
Hast du für deine Wahrheit eingestanden?
Konntest du Menschen mit deinem Rückgrat aufrichten, motivieren?
Sag,was also ist dein Vermächtnis?
Was von dir bleibt, wenn du fort bist, Anderen im Gedächtnis?
Was soll bleiben?
Was willst du hinterlassen?
Welche Spuren im Sand der Zeit?
Und die Uhren?
Kannst du sie lächelnd ticken lassen?
Oder krallst du dich fest an ihnen
mit Verbissenheit?
Was soll von dir bleiben?
Was willst du hinterlassen?
Welche Spuren im Sand der Zeit?
Nein, die Uhren, die kann niemand fassen
und anhalten
wider Schicksal und Vergänglichkeit.
©Beate Oberlein
Dieser Text wurde im Oktober 2025 verfasst und anlässlich der 2. musikalischen Bilder-Buch-Nacht in Oschersleben am 7. November 2025 gemeinsam mit Klangmassagepraktikerin Bianca Sorge im Rahmen des Projektes "Lyrik trifft Klang" aufgeführt. Verschiedene Klangschalen, Klangstäbe und ein Rainstick kamen dabei zum Einsatz.
"Spuren im Sand der Zeit" ist im Gedichtband "Eisnebelsommer" nicht enthalten.
auf Scherben tanzen
Was bleibt,
wenn das letzte Wort mit Gift und Galle ausgespuckt?
Was bleibt,
wenn nimmersatter Zorn Vertrauen samt Erinnerungen schluckt?
Was bleibt,
wenn jeder Gedanke Verachtung gebiert?
Was bleibt,
wenn jeder alte Schwur im Fegefeuer seinen Wert verliert?
Was bleibt,
wenn mein letztes Geheimnis ungeniert verraten ist?
Was bleibt,
wenn Unfehlbarkeit Respekt und alle Grenzen frisst?
Was bleibt,
wenn meine Wahrheit achtlos zertreten am Boden liegt?
Was bleibt,
wenn ein Fluch und ein Schwert über meine Empfindungen siegt?
Soll ich auf Scherben tanzen?
Soll ich wieder und wieder
knöcheltief im Blut
neue Bäume pflanzen,
deren Krone ich vergötter
mit Herzblut selbstvergessen heg
bis sie himmelwärts strebend
mich zum Dank schamlos erschlägt?
Was bleibt,
wenn der letzte Dolch ins Herz gestoßen ist?
Was bleibt,
wenn Feuer und Flamme tauschen mit Tücke und List?
Was bleibt,
wenn das letzte Lachen falsch und künstlich klingt?
Was bleibt,
wenn die unschuldig säuselnde Stimme hinterrücks mir Totenlieder singt?
Soll ich auf Scherben tanzen?
Soll ich wieder und wieder
knöcheltief im Blut
neue Bäume pflanzen,
deren Krone ich vergötter
mit Herzblut selbstvergessen heg
bis sie himmelwärts strebend
mich zum Dank schamlos erschlägt?
Was bleibt?
© Beate Oberlein
die verlorne zeit
ich suche dich
im schatten alter bäume
hinter hohen mauern
mit warmgelbem glas
ich suche dich dort,
wo wir einst warn
die erinnerung hängt
wie spinnweben
in meinen langen haarn
sie webt noch immer
die allerschönsten
träume
ich suche dich
auf vielbefahrnen straßen
an vergessenen orten
und in gottverlassnen finstren gassen
ich such deine augen
in unbekannten gesichtern
sehnsuchtsvoll
bei nacht
in fernen großstadtlichtern
ich suche dich tags
in tempeln, die verführen
in endlos langen neonkalten gängen
ich such deine stimme
in kaufberauschten
endlos tosenden menschenmengen
ich suche dein lachen
in fremden kehlen
ähnlichkeiten
in namenloser gesten und blick
such eine spur, einen hauch
einen vertrauten widerhall
meine sinne geschärft
für den fall
ich such dich
auf bühnen
mit goldenen klängen
vor blutroten
gerafften seidenvorhängen
such dich
in grellblauem scheinwerferlicht
samtweiche töne, die tief durchdringen
ich vergesse sie nicht
ich such dich
in meinen decken und kissen
die in durchträumten nächten
vertraut nach deiner sanftheit und auch
nach salz und sehnsucht schmecken
ich suche sie
all die verlorene zeit
und rufe lautlos deinen namen
bist du bereit?
©Beate Oberlein
"die verlorne Zeit" ist im Gedichtband "Eisnebelsommer" nicht enthalten.
17:47
Ein haus
ein baum
hochoben
ein licht
das eine leise ahnung
in gewissheit taucht
eine vertraute silhouette
vertieft in tiefschwarz
tonloses goldenes funkeln im arm
die pupillen hinauf geweitet
der magie des moments erlegen
staunen
lächeln
und kein atemzug
der die stille stört
augenblicke wie äonen
die schranken fallen
die welt...zurück
der bann bebrochen
©Beate Oberlein