17:47
Ein haus
ein baum
hochoben
ein licht
das eine leise ahnung
in gewissheit taucht
eine vertraute silhouette
vertieft in tiefschwarz
tonloses goldenes funkeln im arm
die pupillen hinauf geweitet
der magie des moments erlegen
staunen
lächeln
und kein atemzug
der die stille stört
augenblicke wie äonen
die schranken fallen
die welt...zurück
der bann bebrochen
©Beate Oberlein
die verlorne zeit
ich suche dich
im schatten alter bäume
hinter hohen mauern
mit warmgelbem glas
ich suche dich dort,
wo wir einst warn
die erinnerung hängt
wie spinnweben
in meinen langen haarn
sie webt noch immer
die allerschönsten
träume
ich suche dich
auf vielbefahrnen straßen
an vergessenen orten
und in gottverlassnen finstren gassen
ich such deine augen
in unbekannten gesichtern
sehnsuchtsvoll
bei nacht
in fernen großstadtlichtern
ich suche dich tags
in tempeln, die verführen
in endlos langen neonkalten gängen
ich such deine stimme
in kaufberauschten
endlos tosenden menschenmengen
ich suche dein lachen
in fremden kehlen
ähnlichkeiten
in namenloser gesten und blick
such eine spur, einen hauch
einen vertrauten widerhall
meine sinne geschärft
für den fall
ich such dich
auf bühnen
mit goldenen klängen
vor blutroten
gerafften seidenvorhängen
such dich
in grellblauem scheinwerferlicht
samtweiche töne, die tief durchdringen
ich vergesse sie nicht
ich such dich
in meinen decken und kissen
die in durchträumten nächten
vertraut nach deiner sanftheit und auch
nach salz und sehnsucht schmecken
ich suche sie
all die verlorene zeit
und rufe lautlos deinen namen
bist du bereit?
©Beate Oberlein
"die verlorne Zeit" ist im Gedichtband "Eisnebelsommer" nicht enthalten.