Wenn ich heute Nacht gehen würde,
würde dir irgendetwas fehlen?
Würdest du in deiner Erinnerung
wie auf vergilbten Fotos meine Wimpern zählen?
Würde eine Träne sich dabei in den deinen verfangen?
Wärst du vor Entsetzen starr,
wenn ich für ewig fortgegangen?
Wenn ich heute Nacht gehen würde,
würdest du dich betrinken?
Würdest du all das Ungesagte bedauern?
Und frierend im Meer vertaner Chancen versinken?
Würdest du mir einen Fluch
oder Kuss und Vergebung ins Nirvana schicken?
Würdest du aus den Fäden, die uns verbanden,
zur Erinnerung eine wärmende Decke stricken?
Wenn ich heute Nacht gehen würde,
wünschtest du die Zeit zurückzudrehn?
Würdest du schweigend die gleiche Wahl treffen?
Würdest du zwischen Licht und Schatten
bewusst neue Pfade sehn und sie auch gehn?
Würde dein Herz bluten und wie ein Spiegel
in winzigkleine Splitter zerspringen?
Würd meine Stimme in dir noch einmal
wie ein fernes bittersüßes Echo erklingen?
Oder würd sich deine Welt
einfach wie immer weiterdrehn?
Kein Herzschlag extra
nur ein Vorhang von vielen, der gefallen
im ewigen Kreis
von Werden und Vergehn?
©Beate Oberlein